Zeit der Stille

Von Seelenreisen und düsteren Erkenntnissen in Henrik Hellströms THE QUIET ROAR (2013)

 

THE QUIET ROAR gleicht einer auf Leinwand projizierten Dosis LSD. Großangelegte Alpenpanoramen, Blicke ins Leere, Blicke ins Dunkel der Seele: Der schwedische Newcomer Henrik Hellström versteht sich auf die Bebilderung des schmalen Grades zwischen Traum und Realität. Auf den Internationalen Filmfestspielen Göteborg und auf dem Filmfest München 2014 provozierte der Film mit der Wucht der Stille, die die Seele zittern lässt.

 

Hellström gegen Freud. Hellström gegen das Wort und seine analytische Wirkkraft. Mit seinem ersten Film in Eigenregie gibt sich Regisseur Hellström therapeutisch. In einem herkömmlichen Wohnmobil, auf einem deutschen Autobahnrastplatz, liegt die Protagonistin Marianne ausgestreckt auf dem sauberen Klappbett und erwartet eine Reise – tief in ihr Unterbewusstsein hinein. Psychedelische Pilze versprechen der 68-Jährigen vor ihrem sicheren Tod eine künstliche Konfrontation mit dem Ich der Vergangenheit. Dort, in ihrem Inneren, bebildert durch ein gigantisches Holzhaus auf der Spitze eines schroffen Felsens, trifft sie noch einmal auf ihren Ehemann und die beiden Söhne. Spricht zu ihnen. Versucht das spätere Zerbrechen ihrer Familie analytisch zu fassen.

 

Dennoch verfehlt der Film bewusst die Therapie – und sucht den Aufstand. Denn THE QUIET ROAR überwindet die esoterischen Vorzeichen der Seelenreise mit der Wucht seiner Bilder, die dem Regisseur zufolge „wie eine Unterwasserbombe“ einschlagen sollen. Vor den dunklen Abgründen der Alpenlandschaft weichen die Worte unweigerlich zurück und verschmelzen mit den dumpfen, elektronischen Klängen, die das Bewusstsein „unter Wasser“ ziehen, dorthin, wo Worte nichts mehr sagen. Die Reise beginnt.

 

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