Gegen Genrekonventionen

Alles beginnt mit einer Warnung: vor stroboskopischen Effekten, isochronischen Tönen, binauralen Frequenzen. Im schlimmsten Fall könnten gesundheitliche Schäden die Folgen sein, wenn man sich den folgenden Film zu Gemüte führt. „Wie auch immer … dieser Film sollte laut abgespielt werden!“ Was der deutsche Regisseur AKIZ aka Achim Bornhak seinem Film DER NACHTMAHR (2015) als eine Art Prolog vorausschickt, lässt sich als Grundsatz für das gesamte Werk verstehen: Beides ist ungewöhnlich. Weiterlesen…

Lebendiges (Spiel-)Zeug und die Angst vor dem Schrank

Wir kennen die Vorstellung davon, dass wenn keiner hinsieht, Dinge lebendig werden und ein Eigenleben führen. Die Vorstellung von der Verlebendigung der Dinge finden wir (lange vor Rilkes Dinggedichten) schon bei Pygmalion (Ovid, Metamorphosen), dem Künstler, der sich in seine lebendig gewordene Skulptur verliebt. Aber kann diese Vorstellung so weit gehen, dass das lebendige Ding vielleicht eine eigene (biografische) Geschichte haben kann oder sogar zu einem richtigen Protagonisten wird, der nicht nur eine Geschichte, sondern Geschichte erzählt? Weiterlesen…

Inszenierungen von Freundschaft

Schon allein die Grundthematik der in diesem Jahr angelaufenen Serie HIBANA: SPARK (2016) erscheint für den nicht-japanischen Zuschauer vermutlich weit entfernt: Es geht um die Kultur des manzai, eine japanische Art der Stand-Up-Comedy, in der ein Komiker-Duo in rascher Weise einen Dialog vorträgt, gespickt mit Pointen und Nonsens. Die Hauptfigur von HIBANA: SPARK, Tokunaga, ist manzai-Künstler und die erste Staffel verfolgt nicht nur ihn und den steinigen Aufstieg seines Duos „Sparks“, sondern rückt zudem seine Beziehung zu Herrn Kamiya, einem extrovertierten manzai-Veteranen, in den Mittelpunkt. Nach ihrem ersten Treffen bei einer gemeinsamen Show ihrer jeweiligen Duos gehen die beiden eine für die japanische Kultur typische, im Bereich des manzai aber immer seltener werdende Meister-Lehrling Beziehung ein, die sich alsbald zu einer Freundschaft entwickelt. Weiterlesen…

Auf den Spuren der (Film-)Bilder

Wie erweckt man beschriebenes Papier zum Leben? Wie verflüssigt man die starren Linien der Text gewordenen Buchstaben, sodass sie schließlich in Bildern, Erzählfolgen, Filmszenen aufgehen? Der spanische Regisseur Raul Garcia nimmt uns mit EXTRAORDINARY TALES mit auf den Grund und Boden dieser Fragen aller Fragen, seit es Filme gibt: Wie können Geschichten Bewegung, Worte Zeit und fiktive Figuren Körper werden? Weiterlesen…

Dwarf-Mania

Ein Spanier in der russischen Tundra? Ein österreichischer Künstler als Konsumobjekt und Verbrecherkopf gleichermaßen? Drei Zwerge für seinen großen Coup? Das Objekt der Begierde: Der Abstand. Regisseur Sergio Caballero beutet mit seinem zweiten Spielfilm verfügbare Genrekonventionen – vom Heist-Movie über epische Elemente zur klassischen Revenge-Dramaturgie – sowie narrative Denkgewohnheiten schamlos aus, rüttelt einmal kräftig an deren Gerüst und vermengt die visuellen Restbestände zu einer meisterhaft-surrealen Ménage-Fou. Weiterlesen…

Mit Glazer in die Unterwelt

Sie geht – langsam, lasziv und Schritt für Schritt voran. Top, Jeans und Unterwäsche gleiten Stück für Stück zum Rhythmus dumpfer elektronischer Klänge auf den spiegelnden Boden, wenn Scarlett Johansson als weibliches Idealbild (wie) von einem anderen Stern in UNDER THE SKIN ihre Verführungskünste spielen lässt – verblendete Männer blindlings hinterher. Weiterlesen…

Wer filmt?

Michael Hanekes CACHÉ rückt weit ab vom Genre des klassischen Kriminalkinos. Anstatt „des Kriminellen“ im Bild untersucht er „das Kriminelle“ des Bildes selbst. Der Kamerablick ist weniger auf der Spur eines Erzählplots, in dem sich langsam Teil um Teil zusammenfügt. Er ruht vielmehr auf dem Gesehenen als Phänomen, als Erfahrung, als Selbst-Erkenntnis. Das Rätsel liegt nicht im Blickfeld, sondern der Blick selbst ist das Rätsel. Weiterlesen…

Zeit der Stille

THE QUIET ROAR gleicht einer auf Leinwand projizierten Dosis LSD. Großangelegte Alpenpanoramen, Blicke ins Leere, Blicke ins Dunkel der Seele: Der schwedische Newcomer Henrik Hellström versteht sich auf die Bebilderung des schmalen Grades zwischen Traum und Realität. Auf den Internationalen Filmfestspielen Göteborg und auf dem Filmfest München 2014 provozierte der Film mit der Wucht der Stille, die die Seele zittern lässt. Weiterlesen…