Warum nur immer so ernst?

Maren Ades TONI ERDMANN (DE, AT 2016) ist ein tragischer Film, der zugleich urkomisch ist. Ein Film, der zu Recht das diesjährige FILMFEST MÜNCHEN eröffnen durfte, nachdem er bei den Filmfestspielen in Cannes von Kritikern und Publikum gefeiert wurde und nun sogar der deutsche Oscarkandidat für 2017 ist. Der Film erzählt eine Geschichte von Vater und Tochter, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sie, die disziplinierte Karrierefrau, immer aufopferungsbereit für den Job – egal ob es um die Annahme einer Stelle in Rumäniens Hauptstadt Bukarest geht, oder um eine Shoppingtour mit der Ehefrau eines Klienten. Er, der alberne Spaßvogel, der auf wilde Zähne steht und deshalb immer ein entsprechendes Gebiss mit sich trägt – entweder in seiner linken Brusttasche oder in seinem Mund. TONI ERDMANN ist ein Film, der gen Ende dem Publikum fast entgegenzuschreien scheint: Warum nur immer so verdammt ernst? Weiterlesen…

Exil in Südamerika

Die Themen Einwanderung, Migration und Exil sind momentan omnipräsent, wobei es vor allem um die Geflüchteten geht, die zurzeit in Europa ankommen. Zwei Filme des diesjährigen Münchner Filmfests behandeln genaue diese Themen, jedoch nach Südamerika verlagert und neben vielen Ähnlichkeiten mit unterschiedlichem Resultat. Besonders A CIDADE ONDE ENVELHEÇO kehrt dabei das übliche Narrativ um und porträtiert zwei Portugiesinnen, die im Zuge der Finanzkrise der 2000er wegen besserer Aussichten auf Arbeit nach Belo Horizonte in Brasilien auswandern. Auch DÍAS EXTRAÑOS erzählt von Exilanten, hier ist es jedoch ein junges Paar aus Kolumbien, das es intrakontinental nach Buenos Aires verschlagen hat. Wie verhandeln diese Filme Heimat und Fremdheit, und auf welche Weise strukturieren die Themen die Geschichten? Weiterlesen…

Gegen Genrekonventionen

Alles beginnt mit einer Warnung: vor stroboskopischen Effekten, isochronischen Tönen, binauralen Frequenzen. Im schlimmsten Fall könnten gesundheitliche Schäden die Folgen sein, wenn man sich den folgenden Film zu Gemüte führt. „Wie auch immer … dieser Film sollte laut abgespielt werden!“ Was der deutsche Regisseur AKIZ aka Achim Bornhak seinem Film DER NACHTMAHR (2015) als eine Art Prolog vorausschickt, lässt sich als Grundsatz für das gesamte Werk verstehen: Beides ist ungewöhnlich. Weiterlesen…