The Newspaperman

Alex Infascellis Dokumentarfilm S IS FOR STANLEY (IT 2016) ist ein Rückblick in Stanley Kubricks Alltag. Der Film erzählt nicht Kubricks Geschichte, er erzählt die Geschichte seines Chauffeurs: Emilio D’Alessandro, so dass man nicht mehr nur Kubricks Filmbilder im Kopf und Wagner und Shostakovich im Ohr hat, sondern den Anekdoten eines Mannes zuhören kann, der nun aus dem Hintergrund nach vorne kommt und selbst zu einem Protagonisten wird. Weiterlesen…


Warum nur immer so ernst?

Maren Ades TONI ERDMANN (DE, AT 2016) ist ein tragischer Film, der zugleich urkomisch ist. Ein Film, der zu Recht das diesjährige FILMFEST MÜNCHEN eröffnen durfte, nachdem er bei den Filmfestspielen in Cannes von Kritikern und Publikum gefeiert wurde und nun sogar der deutsche Oscarkandidat für 2017 ist. Der Film erzählt eine Geschichte von Vater und Tochter, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sie, die disziplinierte Karrierefrau, immer aufopferungsbereit für den Job – egal ob es um die Annahme einer Stelle in Rumäniens Hauptstadt Bukarest geht, oder um eine Shoppingtour mit der Ehefrau eines Klienten. Er, der alberne Spaßvogel, der auf wilde Zähne steht und deshalb immer ein entsprechendes Gebiss mit sich trägt – entweder in seiner linken Brusttasche oder in seinem Mund. TONI ERDMANN ist ein Film, der gen Ende dem Publikum fast entgegenzuschreien scheint: Warum nur immer so verdammt ernst? Weiterlesen…


The Iron Lady

THE IRON LADY (Phyllida Lloyd, UK 2011) erzählt die Geschichte Margaret Thatchers – rückwärts. Phyllida Lloyd hatte laut Kiritker versucht, der Iron Lady Thatcher ihr ‚iron’ zu nehmen. Dafür musste sie erst einmal eine gealterte und nicht mehr so starke Thatcher zeigen, die nicht mehr in einem Parlament sitzt, sondern zu Hause. Und gerade weil Lloyd keine Verehrerin Thatchers ist, aber Sympathien für (starke) Frauen in der Politik hat, konnte nur sie einen solchen Film machen, der sich gerade jetzt wieder aktuell ,anfühlt’. Weiterlesen…


Exil in Südamerika

Die Themen Einwanderung, Migration und Exil sind momentan omnipräsent, wobei es vor allem um die Geflüchteten geht, die zurzeit in Europa ankommen. Zwei Filme des diesjährigen Münchner Filmfests behandeln genaue diese Themen, jedoch nach Südamerika verlagert und neben vielen Ähnlichkeiten mit unterschiedlichem Resultat. Besonders A CIDADE ONDE ENVELHEÇO kehrt dabei das übliche Narrativ um und porträtiert zwei Portugiesinnen, die im Zuge der Finanzkrise der 2000er wegen besserer Aussichten auf Arbeit nach Belo Horizonte in Brasilien auswandern. Auch DÍAS EXTRAÑOS erzählt von Exilanten, hier ist es jedoch ein junges Paar aus Kolumbien, das es intrakontinental nach Buenos Aires verschlagen hat. Wie verhandeln diese Filme Heimat und Fremdheit, und auf welche Weise strukturieren die Themen die Geschichten? Weiterlesen…


Hollywood ist eine Frau

ALLES ÜBER EVA ist alles – nur keine Enthüllungsgeschichte, wie es der Titel suggeriert. Es ist vielmehr eine ‚Ver-Hüllungsgeschichte’. Eva, die nackte Ikone im Paradies, unschuldig nach dem Apfel greifend, scheint der Protagonistin Eve Harrington (Anne Baxter), der Schauspiel-Ikone in Amerikas Theaterwelt und Traumfabrik, grundsätzlich zu widersprechen. Oder etwa doch nicht? Weiterlesen…


Gegen Genrekonventionen

Alles beginnt mit einer Warnung: vor stroboskopischen Effekten, isochronischen Tönen, binauralen Frequenzen. Im schlimmsten Fall könnten gesundheitliche Schäden die Folgen sein, wenn man sich den folgenden Film zu Gemüte führt. „Wie auch immer … dieser Film sollte laut abgespielt werden!“ Was der deutsche Regisseur AKIZ aka Achim Bornhak seinem Film DER NACHTMAHR (2015) als eine Art Prolog vorausschickt, lässt sich als Grundsatz für das gesamte Werk verstehen: Beides ist ungewöhnlich. Weiterlesen…


Lebendiges (Spiel-)Zeug und die Angst vor dem Schrank

Wir kennen die Vorstellung davon, dass wenn keiner hinsieht, Dinge lebendig werden und ein Eigenleben führen. Die Vorstellung von der Verlebendigung der Dinge finden wir (lange vor Rilkes Dinggedichten) schon bei Pygmalion (Ovid, Metamorphosen), dem Künstler, der sich in seine lebendig gewordene Skulptur verliebt. Aber kann diese Vorstellung so weit gehen, dass das lebendige Ding vielleicht eine eigene (biografische) Geschichte haben kann oder sogar zu einem richtigen Protagonisten wird, der nicht nur eine Geschichte, sondern Geschichte erzählt? Weiterlesen…


Inszenierungen von Freundschaft

Schon allein die Grundthematik der in diesem Jahr angelaufenen Serie HIBANA: SPARK (2016) erscheint für den nicht-japanischen Zuschauer vermutlich weit entfernt: Es geht um die Kultur des manzai, eine japanische Art der Stand-Up-Comedy, in der ein Komiker-Duo in rascher Weise einen Dialog vorträgt, gespickt mit Pointen und Nonsens. Die Hauptfigur von HIBANA: SPARK, Tokunaga, ist manzai-Künstler und die erste Staffel verfolgt nicht nur ihn und den steinigen Aufstieg seines Duos „Sparks“, sondern rückt zudem seine Beziehung zu Herrn Kamiya, einem extrovertierten manzai-Veteranen, in den Mittelpunkt. Nach ihrem ersten Treffen bei einer gemeinsamen Show ihrer jeweiligen Duos gehen die beiden eine für die japanische Kultur typische, im Bereich des manzai aber immer seltener werdende Meister-Lehrling Beziehung ein, die sich alsbald zu einer Freundschaft entwickelt. Weiterlesen…


Auf den Spuren der (Film-)Bilder

Wie erweckt man beschriebenes Papier zum Leben? Wie verflüssigt man die starren Linien der Text gewordenen Buchstaben, sodass sie schließlich in Bildern, Erzählfolgen, Filmszenen aufgehen? Der spanische Regisseur Raul Garcia nimmt uns mit EXTRAORDINARY TALES mit auf den Grund und Boden dieser Fragen aller Fragen, seit es Filme gibt: Wie können Geschichten Bewegung, Worte Zeit und fiktive Figuren Körper werden? Weiterlesen…


Lexikalische „Schludrigkeiten“ im Film

Die Dokumentation FASSBINDER – LIEBEN OHNE ZU FORDERN des dänischen Regisseurs und Publizisten Christian Braad Thomsen zeigt ein äußerst liebevoll gestaltetes und persönliches Portrait über einen der wichtigsten Repräsentanten des Neuen Deutschen Films – nicht zuletzt aufgrund der den gesamten Film durchziehenden Sequenzen eines bislang unveröffentlichten Interviews, das Thomsen mit Fassbinder führte. Neben diesem beeindruckenden Interview spicken den Film allerdings lexikalische Fehler und „Schludrigkeiten“ in den eingeblendeten Kapitelüberschriften sowie im Abspann. Darf oder vielmehr: sollte dieser Missstand in einer Bewertung des Films als negativer Aspekt eine Rolle spielen? Weiterlesen…