Good morning guys, it’s Mae Holland

THE CIRCLE von James Ponsoldt ist ein authentisches Follow-me-around mit Emma Watson, aber kein so nachhaltig bewegendes Kinoerlebnis, wie es hätte sein können. Das Thema böte genug Potenzial, eine schauerhafte Dystopie zu visualisieren und mehr zu sein als eine knapp zweistündige Unterhaltung mit moralisch erhobenem Zeigefinger. Weiterlesen…


Zeitstruktur und Fiebertraum

EL ABRAZO DE LA SERPIENTE (DER SCHAMANE UND DIE SCHLANGE) erzählt von zwei westlichen Forschungsexpeditionen in die kolumbianischen Regionen des Amazonas. Doch anstatt den Reisenden strikt zu folgen, unternimmt der Film den genuinen Versuch der filmischen Repräsentation einer indigenen Perspektive – durch verschiedenartige Zeitstrukturen, assoziative Verlinkungen und traumartige Narration. Weiterlesen…


Ein einziges Manifest

MANIFESTO von Julian Rosefeldt gibt es jetzt zweimal. Die Premiere des Films auf dem Sundance Festival zu Beginn des Jahres hat das abgeflachte Interesse an dem einstigen Videokunstwerk wiederbelebt: Aus Installation und Simultanität wurde Narration, einzig durch die Macht der Montage. Derselbe Inhalt neu montiert – ob das funktioniert? Weiterlesen…


Dazwischen

Regisseur Vikram Gandhi führt in seinem Film BARRY (USA 2016) nicht nur durch eine Schule der Demokratie, er inszeniert Demokratie, er baut einen demokratischen Film. Dabei zeigt er eine Figur „irgendwo im Dazwischen“, die wir alle nur als abgeschlossene Politikerfigur kennen: den ,Yes we can! – American’ Barack Obama. Weiterlesen…


Guter Schnauzer, böser Schnauzer

Links: den Tod inszenierende Schauspieler. Rechts: inszenierte Schaubilder realer Toter. Im Mittelpunkt: Inszenierungsgenie und Drogenkönig Pablo Escobar. Die erste Staffel der Netflixserie NARCOS (US ab 2015) erzählt in zehn Folgen vom mafiösen Aufstieg des Kolumbianers Escobar und vom Aufstieg der Modedroge Kokain in den 80er Jahren – und fällt in der gefährlichen Überschneidung aus Realem und Fiktionalem, aus Tod und Todesinszenierung selbst in einen magischen Rauschzustand. Weiterlesen…


The Newspaperman

Alex Infascellis Dokumentarfilm S IS FOR STANLEY (IT 2016) ist ein Rückblick in Stanley Kubricks Alltag. Der Film erzählt nicht Kubricks Geschichte, er erzählt die Geschichte seines Chauffeurs: Emilio D’Alessandro, so dass man nicht mehr nur Kubricks Filmbilder im Kopf und Wagner und Shostakovich im Ohr hat, sondern den Anekdoten eines Mannes zuhören kann, der nun aus dem Hintergrund nach vorne kommt und selbst zu einem Protagonisten wird. Weiterlesen…


Warum nur immer so ernst?

Maren Ades TONI ERDMANN (DE, AT 2016) ist ein tragischer Film, der zugleich urkomisch ist. Ein Film, der zu Recht das diesjährige FILMFEST MÜNCHEN eröffnen durfte, nachdem er bei den Filmfestspielen in Cannes von Kritikern und Publikum gefeiert wurde und nun sogar der deutsche Oscarkandidat für 2017 ist. Der Film erzählt eine Geschichte von Vater und Tochter, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sie, die disziplinierte Karrierefrau, immer aufopferungsbereit für den Job – egal ob es um die Annahme einer Stelle in Rumäniens Hauptstadt Bukarest geht, oder um eine Shoppingtour mit der Ehefrau eines Klienten. Er, der alberne Spaßvogel, der auf wilde Zähne steht und deshalb immer ein entsprechendes Gebiss mit sich trägt – entweder in seiner linken Brusttasche oder in seinem Mund. TONI ERDMANN ist ein Film, der gen Ende dem Publikum fast entgegenzuschreien scheint: Warum nur immer so verdammt ernst? Weiterlesen…


The Iron Lady

THE IRON LADY (Phyllida Lloyd, UK 2011) erzählt die Geschichte Margaret Thatchers – rückwärts. Phyllida Lloyd hatte laut Kiritker versucht, der Iron Lady Thatcher ihr ‚iron’ zu nehmen. Dafür musste sie erst einmal eine gealterte und nicht mehr so starke Thatcher zeigen, die nicht mehr in einem Parlament sitzt, sondern zu Hause. Und gerade weil Lloyd keine Verehrerin Thatchers ist, aber Sympathien für (starke) Frauen in der Politik hat, konnte nur sie einen solchen Film machen, der sich gerade jetzt wieder aktuell ,anfühlt’. Weiterlesen…


Exil in Südamerika

Die Themen Einwanderung, Migration und Exil sind momentan omnipräsent, wobei es vor allem um die Geflüchteten geht, die zurzeit in Europa ankommen. Zwei Filme des diesjährigen Münchner Filmfests behandeln genaue diese Themen, jedoch nach Südamerika verlagert und neben vielen Ähnlichkeiten mit unterschiedlichem Resultat. Besonders A CIDADE ONDE ENVELHEÇO kehrt dabei das übliche Narrativ um und porträtiert zwei Portugiesinnen, die im Zuge der Finanzkrise der 2000er wegen besserer Aussichten auf Arbeit nach Belo Horizonte in Brasilien auswandern. Auch DÍAS EXTRAÑOS erzählt von Exilanten, hier ist es jedoch ein junges Paar aus Kolumbien, das es intrakontinental nach Buenos Aires verschlagen hat. Wie verhandeln diese Filme Heimat und Fremdheit, und auf welche Weise strukturieren die Themen die Geschichten? Weiterlesen…


Hollywood ist eine Frau

ALLES ÜBER EVA ist alles – nur keine Enthüllungsgeschichte, wie es der Titel suggeriert. Es ist vielmehr eine ‚Ver-Hüllungsgeschichte’. Eva, die nackte Ikone im Paradies, unschuldig nach dem Apfel greifend, scheint der Protagonistin Eve Harrington (Anne Baxter), der Schauspiel-Ikone in Amerikas Theaterwelt und Traumfabrik, grundsätzlich zu widersprechen. Oder etwa doch nicht? Weiterlesen…